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Im Interview: Dainess Holly

Im Interview: Dainess Holly

Seit knapp einem Jahr arbeitet Dainess Holly bei Medialine im Bereich Business Solutions. Die junge zweifach-Mutter ist im ECM/CRM-Projektmanagement tätig, leitet somit eigene Projekte, betreut Kunden und kümmert sich um Vieles mehr. In diesem Interview erzählt sie von enormem, persönlichem Wachstum, welches sie durch die Arbeit bei Medialine erfahren konnte, über ihr Heimatland und ihren besonderen Werdegang, über Vereinbarkeit von Familie und Beruf – und auch darüber ob sie schon einmal Alltagsrassismus erlebt hat und wie sie damit umgeht.

ML: Hallo, Dainess. Danke, dass du dir für unser Interview Zeit genommen hast. Du hast eine breite Palette an Erfahrung in deinen jungen Jahren. Welche Jobs hast du schon so gemacht?
DH: Also erst einmal: Ich komme ursprünglich aus Sambia, dort habe ich meine Schulausbildung absolviert. Dann bin ich 2010 nach Südafrika gezogen und bin für vier Jahre an der Nelson-Mandela-Metropolitan-Universität einem Doppelbachelor in Wirtschaftswissenschaften und Statistik nachgegangen. Danach habe ich für ein weiteres Jahr mathematische Statistik studiert. In meinem letzten Studienjahr habe ich als studentische Koordinatorin mit einer deutschen NGO, die Bildungsförderung betreibt, zusammengearbeitet. Hier habe ich vor allem bei den Themen Social Awareness und Fundraising unterstützt. Einmal habe ich sogar ein Konzert mit lokalen Künstler*innen organisiert, um für die NGO Gelder zu sammeln. Wie es der Zufall wollte, arbeitete mein Mann für eine kurzfristige Kampagne bei der bereits erwähnten Organisation und wir waren für eineinhalb Jahre ein Paar, bevor wir uns dann entschlossen haben gemeinsam nach Deutschland zu ziehen. Ich bin nun schon seit fünf Jahren hier und ich kämpfe als englische Muttersprachlerin immer noch mit der Struktur der deutschen Sprache (lacht). Also, wie dem auch sei: Die ersten zwei Jahre in Deutschland habe ich erst einmal Elternzeit genommen, viel Deutsch gelernt und später nebenher noch als Freelance Consultant bei Appen Global ausgeholfen. Hier habe ich vor allem an quantitativer, statistischer Datenanalyse und Search Engine Optimierung gearbeitet. Wie ich zu Medialine gekommen bin, ist auch eine interessante Geschichte: Ursprünglich wollte ich mich weiter im Finanzbereich ausbilden, aber weder Job- noch Studienoptionen schienen zu funktionieren. Zwei oder drei Wochen bevor ich dann bei der Hochschule Rhein-Main mein duales Master-Studium in Mathe beginnen sollte, habe ich den Anruf für eine Bewerbungsgespräch von unserer HR-Mitarbeiterin Raphaela bekommen.

ML: Und wir wissen, wie das dann ausgegangen ist. Das ist schon einmal ein interessanter Lebenslauf. Was würdest du sagen: Welche Kenntnisse aus anderen Jobs kannst du bei deinen Aufgaben bei Medialine mit einbringen?
DH: Ursprünglich war der Plan, dass ich Business Consultant in ELO werde. Dann habe ich aber mehrere Aufgaben im Projektmanagement für die MEIS übernommen und das hat für mich perfekt gepasst. Denn das IT Know-how musste ich mir anlernen, aber Business-Prozesse kannte ich schon von meinem Studium und meinen bisherigen, beruflichen Erfahrungen. Also man muss klar sagen: Ich bin kein technischer Consultant, dieses Wissen habe ich nicht. Aber ich kann ein Projekt koordinieren und wichtige Fragen stellen wie: wer muss was tun? Warum ist das noch nicht erledigt? Was können wir tun, damit wir die Deadlines einhalten? Und wie kommunizieren wir das Ganze dann dem Kunden? Neben Aufgaben im Backoffice, wo ich zum Beispiel helfe Angebote zu schreiben, bin ich bei einigen Projekten auch die erste Anlaufstelle, wenn der Kunde in einer Phase der Projektimplementierung Fragen hat. Ich stelle dann den Kontakt zum technischen Profi her. Und grade hier muss ich sagen, dass ich nicht nur Erfahrungen aus Studium und vergangenen Berufen, sondern auch aus meiner privaten Situation bei Medialine nützlich einsetzen kann. Ich bin Mutter von zwei kleinen Kindern, in einem fremden Land. Ich muss so viel Verantwortung für meine Familie übernehmen und dadurch konnte ich meine Fähigkeiten zum Multitasking, was einfach eine natürliche Begabung von mir ist, gut ausbauen. Bei verschiedenen Projekten muss man auch immer mental an vielen verschiedenen Orten sein und es brennt immer irgendwo. Du musst dann Ruhe bewahren und alles miteinander verbinden und lösen. Außerdem hilft das Muttersein auch im Umgang mit Kunden, man lernt wütende Bemerkungen nicht immer allzu ernst zu nehmen und wirklich auf die Mitteilung zu hören. Man lernt zuzuhören, auch, wenn dich dein Kind anschreit. So haben mich meine Kinder also auch gutes Kommunizieren und Zuhören gelehrt (lacht). 

ML: Das ist eine sehr schöne neue Perspektive auf das Elternsein. Nun nochmal auf das Projektmanagement zu sprechen zu kommen. Welche Projekte betreust du hauptsächlich? Und welches ist das spannendste?
DH: Ich unterstützte hauptsächlich im ECM/CRM Team bei Projekten, neuerdings jedoch auch im ERP-Team. Mein erstes eigenes Projekt war auch das bisher spannendste. Mit der IT-ON.NET ist im vergangenen Jahr ein neues Unternehmen Teil der Medialine Group geworden und ich war für die systemische  Migration von IT.On-NET zu Medialine verantwortlich. Hier habe ich einen Einblick in so viele Bereiche unseres Unternehmens bekommen, denn für die Migration mussten wir unter anderem mit den Kollegen aus Bukarest, vom Support, Service Desk und Consulting zusammenarbeiten. Für Programme wie etwa Jira ist mein Team nicht verantwortlich, ich mache aber übrigens gerade eine Fortbildung zum Jira Projektadministrator. Mal sehen, wie die Prüfung im Juni wird (lacht).

ML: Neben der Projektleitung kümmerst du dich also auch um viele weitere Dinge. Was macht dir am meisten Spaß?
DH: Das Beste an meinem Beruf ist definitiv die Abwechslung! Außerdem macht mir den Kontakt mit Kollegen und Kunden viel Freude, ich liebe es mit Menschen zu reden. Ich weiß nicht … Ich bin einfach überwältig von diesem letzten Jahr bei Medialine. Ich habe in dieser kurzen Zeit eine so starke Entwicklung zurückgelegt und so viel Neues dazu gelernt. Ich hatte viel Kontakt mit Menschen innerhalb und außerhalb des Unternehmens, war zu Beginn im Team diejenige mit der wenigsten IT-Erfahrung und leite nun schon eigene, große Projekte und ich bin wirklich dankbar für all diese Erfahrungen und kann nur ahnen, wo die Reise noch hingeht.

ML: Das ist schön zu hören! Blicken wir noch einmal in dein Heimatland. Was ist ein bedeutender Unterschied in der Mentalität von Sambianern und Deutschen in der Arbeitswelt?
DH: Diese Frage kann ich nur aus meiner subjektiven Wahrnehmung beantworten. Also ich habe bereits in drei verschiedenen Ländern gearbeitet und ich muss sagen: In Sambia und Südafrika sind Menschen auf der Arbeit sehr formell und strikt mit klaren Dresscodes, Verhaltenskodex und Kundenumgang. Hier bei Medialine gibt es ein sehr viel entspannteres Arbeitsumfeld, was ich sehr genieße. Auch das Duzen finde ich klasse. Ist alles nicht so furchtbar formell.

ML: Du arbeitest Vollzeit, absolvierst nebenher dein Masterstudium, hast Familie und engagierst dich auch noch ehrenamtlich als Fremdsprachenkorrespondentin… Wie bekommst du das alles unter einen Hut?
Ehrlich gesagt weiß ich das manchmal selbst nicht (lacht). Das wichtigste ist: Planung, Planung und nochmal Planung. Außerdem muss man einfach Prioritäten setzen und irgendwie eine Balance finden. Bevor ich ins Büro gehe, bringe ich meine Kinder in den Kindergarten, mein Mann holt sie dann ab und wir verbringen als Familie gemeinsam den Abend. Danach mache ich dann aktuell noch was für die Uni. Es hilft natürlich, einen Mann zu haben, der sehr engagiert ist. Zudem ist er flexibler als ich, da er selbstständig ist. Aber ich muss wirklich sagen, dass Medialine als Arbeitgeber in diesem Punkt sehr verständnisvoll ist. Ich kann spontan absagen, wenn etwas mit den Kindern sein sollte, während Corona konnte ich morgens und abends arbeiten und mittags die Kinder betreuen, da sie zuhause waren. Diese flexiblen Arbeitszeiten helfen enorm.

ML: Nun sind im IT-Bereich größtenteils Männer angestellt. Die Medialine Group hat im letzten Jahr jedoch auch viele Frauen eingestellt. Mittlerweile sind in der gesamten Unternehmensgruppe über 22 Nationalitäten beschäftigt. Wie ist das Arbeitsumfeld für dich als eine weibliche PoC (People of Colour)?
DH: Als ich bei Medialine begonnen habe, war ich – soweit ich weiß – tatsächlich die einzige Dunkelhäutige im Unternehmen. Es gab auch in meinem Team außer mir nur eine Frau. Als ich mir vor meinem ersten Arbeitstag die Website angeschaut habe, habe ich auch nur Männer gesehen. Die alte Website wurde dem Mitarbeiterumfeld von Medialine aber nicht mehr wirklich gerecht, gut dass wir mittlerweile eine neue haben. Ich hatte zunächst ehrlicherweise Bedenken und dachte mir, das kann ja spannend werden. Aber es werden immer mehr weibliche Angestellte und auch einige PoC. Ich hatte auch bisher keine einzige negative Erfahrung in der Firma bezüglich meines Äußeren. Es ist auch kein Problem für mich, wenn weniger Dunkelhäutige hier arbeiten. Ich bin mir durchaus bewusst, dass wir in der Minderheit sind und seit ich in Deutschland bin, bin ich daran gewöhnt meist die einzige Schwarze in einem Raum zu sein. Ich glaube eine meiner besten Eigenschaften in einer solchen Umwelt ist, dass ich keine Angst davor habe mit Menschen zu reden und auch mal um Hilfe zu bitten. Sei es in Bezug auf den Chef, den Kunden oder den Mitarbeiter. Also egal ob beim Thema mehr Frauen im Arbeitsumfeld, oder mehr Schwarze: Für mich ist Repräsentation einfach sehr wichtig, weil auch junge Menschen davon inspiriert werden, wenn sie sehen, dass es auch andere in diesen oder jenen Job geschafft haben. Ich versuche dieses Thema auch bei meinen Kindern anzuwenden. Ich probiere ihnen Zugang zu Informationen zu geben, die repräsentieren, wie sie wirklich aussehen, z.B. Serien und Büchern mit schwarzen Charakteren oder Spielzeug, wie dunkelhäutige Puppen. Hierzu noch ein Beispiel: Wenn meine Tochter im Kindergarten gefragt wird, was der Hautfarbe-Malstift ist, dann ist es für sie braun, nicht rosa. Hier muss man einfach Awareness schaffen.

ML: Es gibt ja häufig auch Fälle in denen Menschen andere ohne böse Absicht, sondern aus Unwissenheit oder mangelnder Sensibilität diskriminieren oder verletzten. Wie gehst du mit solchen Situationen um?
DH: Ja, genau, das passiert. Awareness ist hierbei ein sehr wichtiger Punkt. Ich bin nicht angegriffen von so etwas, ich korrigiere Menschen dann einfach höflich. Wenn du sofort angegriffen bist und in die Verteidigung gehst, dann ist es nur problematisch für alle Beteiligten. Für dich und die andere Person, aber wenn du der anderen Person etwas beibringst, kann jeder etwas davon lernen. Da fällt mir noch eine Sache ein. Zu Beginn wurde ich immer von meinen Kollegen gefragt: „Warum veränderst du denn ständig deine Haare?“ (lacht). „Ich habe eben eine andere Haarstruktur“, habe ich dann gesagt.

ML: Als Person, die mit solchen Dingen konfrontiert ist, hast du Tipps für den respektvollen Umgang miteinander?
DH: Mein Ratschlag hierzu ist: Du kannst nie etwas falsch machen, wenn du einfach fragst. Gehe nicht einfach von irgendetwas aus. Frag lieber! Du solltest beispielsweise nicht einfach zu jemand Fremden gehen und seine oder ihre Haare berühren, weil sie anders aussehen. Das passiert so oft mit meinen Kindern. Oder noch ein Beispiel: Meine Kinder sind Deutsche, sie sind hier geboren. Man sollte also nicht einfach davon ausgehen, nur weil sie eine dunkle Hautfarbe haben, seien sie Westafrikaner. Bevor man Behauptungen aufstellt, einfach nachfragen. Das tut niemandem weh. Kommunikation, das ist wie immer die beste Lösung. Und wenn die andere Person deine Frage nicht beantworten will, dann ist es auch okay. Aber eine Frage zu stellen, öffnet immer die Möglichkeit eine echte Konversation zu führen. Dann kann jeder der beiden Konversationspartner mit einer neuen Erkenntnis wieder seinen Weg gehen.

ML: Danke für deine ehrlichen Antworten, deine spannenden Einblicke in Privates und das schöne Gespräch!

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